Chronik des Spielmannszuges der freiwilligen Feuerwehr Laer
Im 1. Weltkrieg wurden im ganzen Deutschen Reich aufgrund eines Erlasses der preußischen Regierung Jugendwehren gegründet; in diesen sollten die 16- bis 20-Jährigen auf den Kriegsdienst vorbereitet werden. In Laer wurde die Jugendwehr seit dem Frühjahr 1915 von einem Spielmannszug musikalisch begleitet. Nach der deutschen Niederlage und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches wurde auch der Spielmannszug aufgelöst.
Doch schon 5 Jahre später (1923) belebte der damalige Schulrektor Franz Rieping den Spielmannszug neu: mit den alten Instrumenten der Jugendwehr spielten die Jungen der Oberklasse auf.
1929 trat der Spielmannszug der freiwilligen Feuerwehr Laer bei, der er auch heute noch angehört.
Nach der Auflösung des Zuges im 2. Weltkrieg trafen sich 36 junge Männer im Herbst 1948 zur Neugründung, letzter Lebender dieser Gruppe ist Heinz Kampschulte. Seit 1949 (Junggesellen-Schützenfest) begleitet der Spielmannszug die Laerer Schützenbruderschaften zur Vogelstange.
Am 29.10.1950 spielte der Laerer Spielmannszug beim ersten deutschen Ballonaufstieg nach dem 2. Weltkrieg in Münster auf, der westfälische Pionier der Ballonfahrt, Prof. Eimermacher, bedankte sich dafür mit einem Foto und einer Widmung. 1953 konnten einheitliche Uniformen angeschafft werden, wenn es auch nur gefärbte englische Militärmonturen waren.
Im Jahr 1960 gründeten die Laerer gemeinsam mit den Spielmannszügen Kolping Metelen, Ohne, CVJM Burgsteinfurt, Weiner Ochtrup, Tie Esch Wettringen, Kolping Coesfeld, Kolping Osterwick, Herz-Jesu-Rheine, Kolping Ochtrup und Lamberti Ochtrup den Freundeskreis „De Mönsterländer“. Diese Spielmannszüge, zu denen später noch einige hinzu kamen, treffen sich seitdem jährlich abwechselnd zu musikalischen Freundschaftstreffen.
Schon in den 50er Jahren nahmen die Laerer Spielleute an zahlreichen Wettstreiten teil, bei denen sie einige schöne Erfolge erringen konnten. Ständig wurde das musikalische Repertoire erweitert.
Bis in die 90er Jahre leitete unser Gründungsmitglied Paul Blömer die Ausbildung des Spielmannszuges; Paul Blömer ist leider 2007 verstorben. Musikstücke der höchsten Leistungsstufe wurden unter seiner Anleitung eingeübt und bei zahlreichen Auftritten und Wettstreiten im In- und Ausland zur Aufführung gebracht. Als nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden unseres Ausbilders auch die Zusammenarbeit mit der Musikschule Steinfurt misslang, führte uns ein glücklicher Zufall zum Ausbilder Dominik Höink. Über ihn nahmen wir Kontakt zu den Spielmannszügen Nottuln und Coesfeld auf, mit denen wir gemeinsam einige Konzerte aufführten. Einige Jahre später übernahm Matthias Nienhaus vom Spielmannszug Südlohn die Ausbildungsarbeit bis 2010.
Seit der Gründung war der Laerer Spielmannszug eine reine Männer-Domäne; dies änderte sich erst 1988, als die ersten Mädchen in unseren Zug aufgenommen wurden. Neben der musikalischen und optischen Bereicherung brachte diese Neuerung auch einen ganz neuen kameradschaftlichen Aspekt in den Verein, aus dem inzwischen 4 Partnerschaften hervorgegangen sind.
1990 feierten die Musiker ihr 75-jähriges Bestehen groß mit Zapfenstreich und Feuerwerk, das 100-jährige etwas bescheidener nach einigen schweren Jahren. Seitdem geht es wieder aufwärts.
Die Pflege der Kameradschaft hat eine große Bedeutung in unserem Vereinsleben. Neben Ausflügen und anderen Freizeitaktivitäten, besonders mit den Jugendlichen, wird jährlich ein gemeinsames Schützenfest gefeiert: dazu sind auch die Partner der Musiker eingeladen, da sie neben den Auftritten auch bei der wöchentlichen Probe auf ihre Lebensgefährten verzichten müssen. Interessanterweise ist die Probe, wie auch in vielen anderen Orten, schon seit Jahrzehnten am Donnerstag-Abend, in einigen Spielleute-Familien spricht man deshalb vom „Heiligen Donnerstag“.
Dem Spielmannszug gehören zur Zeit 30 aktive Musiker an, davon 7 in der Ausbildung. Tambourmajor ist Tobias Bußkamp, das Vorsitzenden-Team besteht aus Nadine Bertling und Christian Frerichmann Kassierer ist Markus Krabbe.